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Beitrag für „Die Rheinpfalz“ am 15. April 2006 Auch Sie haben schon einmal gelogen. Wer nicht? Warum auch nicht, wenn man damit niemandem schadet? Die Folgen der Lügen sind aber selten vorhersehbar. Das erste Opfer ist meist das Vertrauen.In der biblischen Passionsgeschichte nimmt die Geschichte einer Lüge breiten Raum ein : Petrus leugnet drei Mal, Jesus zu kennen. Warum ist es dem Autor so wichtig und warum passiert es ausgerechnet der zentralen Gestalt des Petrus? Die junge Gemeinde begann mit einer Lüge zu leben. Die Passionsgeschichte, die erzählt wird, stimmt an einer ganz entscheidenden Stelle nicht: Dort, wo es um die Schuld am Tod Jesu geht. Der Tod am Kreuz war Terroristen vorbehalten und denen, die die unbarmherzige römische Besatzung dafür hielt. Ein kurzer Prozeß wollte keine Gerechtigkeit, sondern Abschreckung. Da erwischte es auch leicht einen falschen, siehe Jesus. Die Evangelisten hatten Angst, sich als die Anhänger eines zum Tode verurteilten Terroristen erkennen zu geben. So wurden die Juden zu den Verantwortlichen dafür erklärt. Der im ganzen römischen Reich als blutrünstig bekannte Pilatus durfte sich deswegen gar die Hände in Unschuld waschen. Diese Lüge hat den frühen Gemeinden vielleicht das Überleben ermöglicht. Ohne sie gäbe es heute vielleicht gar keine Christen. Aber um welchen Preis! Die Leidensgeschichte der Juden unter christlichem Haß wurde immer wieder mit deren Schuld am Tod Christi begründet, von den blutigen Pogromen des Mittelalters bis in die Neuzeit. Im Dritten Reich und auch danach spukt diese Schuldzuweisung in manchen theologisch wenig gebildeten Köpfen herum. „Petrus erinnerte sich, daß Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er begann zu weinen.“ Er hatte seinen Herrn, den bekennenden jüdischen Rabbi Jesus von Nazareth verleugnet. Um eigenes Leiden zu vermeiden hat diese „Notlüge“ millionenfach tiefes Leid hervorgerufen. Uns bleibt nur, wie Petrus diese unsere Schuld zu beweinen, uns dafür zu schämen und uns vor den Opfern zu verbeugen. |